Ein Engel aus Bronze


Gestern ist aus dem Wachsmodell eine Bronzefigur entstanden. Der Prozess war beeindruckend: Begonnen hat der Tag mit dem Schmelzen der Bronze – über einen Zeitraum von einer Stunde hat die Bronze-Zinn-Mischung im Schmelzofen gebraucht, bis sie die zum Gießen notwendige Flüssigkeit erreicht hat. Die Temperatur der Bronze betrug dabei 1600°C – 1800°C

Während dieser Stunde erklärte Sebastian die folgenden Arbeitsschritte: Vom Vorbereiten der über Nacht gebrannten Schamotte-Formen (Säubern der Einguss- und Luftkanäle und anschließendes Abkleben, damit keine Verunreinigungen hineinkommen) über die Positionierung in Sand, damit die plötzlichen Temperatur- und Druckunterschiede nicht die Form zerstören bis hin zum eigentlichen Guss, der vergleichsweise schnell durchgeführt werden muss, da die Bronze sehr schnell auf zu niedrige Temperaturen abkühlt und nicht mehr gussfähig ist.

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Die Gussformen im Brennofen, nach dem Versäubern, beim Vorbereiten der Sandkiste

Entsprechend schnell ging der eigentliche Guss auch von statten – da aufgrund der Anzahl der Kursteilnehmer in zwei Etappen gegossen wurde, und meine Figur im zweiten Durchgang gegossen wurde, hatte ich die Gelegenheit, die einzelnen Arbeitsschritte bei den anderen beobachten und fotografieren zu dürfen.

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Die Gussformen wurden, sobald sich die Masse im Einguss erstarrt war, mit Wasser weiter herunter gekühlt, und anschließend mit Hämmern aufgebrochen, bis die Figur zu sehen war. Der Rest der Schamotte-Masse wurde mit Hilfe von kleinen Meißeln vorsichtig abgeklopft.  Anschließend wurden die Einguss-Kanäle und Luftschächte, die wie die Figur auch voller Bronze gelaufen waren, abgeflext.

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Zu diesem Zeitpunkt sah die Figur an den meisten Stellen in keinster Weise nach Bronze aus: Grün-grau, mit Oxidationsschichten überzogen, voller ‘Nasen’, Hubbel, Dellen und Rissen. Erstere wurden, je nach Größe abgeflext oder flachgeklopft, die Risse wurden mit Bronzespänen aufgefüllt und eingetrieben.

Danach war die Figur bereit für die eigentliche Arbeit – die Bearbeitung der Oberfläche. Je nach Temperament, Vorarbeit oder handwerklichen Vorkenntnissen kamen dabei eher Maschinen oder Handwerkzeug zum Einsatz.

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Beim zweiten Schmelzvorgang brauchte die Bronzemasse nur noch eine halbe Stunde, da der Schmelzofen schon vorgeheizt war. Beim anschließenden Gießen passierte bei einer der Gussformen leider das, weswegen die Formen in Sand eingebettet stehen: der Schamotte hielt dem plötzlichen Temperaturunterschied nicht stand und zersprang. Auch bei meiner Form gab es einen Zwischenfall, als die flüssige Bronzemasse mehrmals wieder nach oben aus der Form herausschoss. Diese Vulkaneruptionen führten zu der Befürchtung, dass beim Brennen irgendetwas schief gegangen sein musste, und die Figur leider nicht nutzbar sein würde, was aber zum Glück nicht der Fall war. Vermutlich hatte die Form im feuchten Sand von unten Wasser gezogen, in diesem Fall wäre der explosive Rücktransport auf Dampfentwicklung beim Auftreffen der heißen Bronze auf die Feuchtigkeit zu erklären.

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Nachdem meine Figur vom Stein befreit war, konnte man erkennen, dass einzig und allein der untere Rand ein paar Löcher aufwies – die sich aber meines Empfinden nach wunderschön ins Gesamtbild einfügen. Auch mein Kettenanhänger und mein Blatt sind beim Guss genauso geworden wie erhofft.

Die nachfolgenden vier Stunden bin ich nicht mehr dazu gekommen, Fotos zu machen. Statt dessen habe ich meine ersten Gehversuche mit einer Flex unternommen, habe dabei gelernt, dass Trennscheiben a) scharf und b) nicht zur Oberflächenbehandlung gedacht sind und c) man gestanden Handwerkern fast die Tränen in die Augen treiben kann, wenn man denn in seiner Naivität beides nicht weiß. Und heute merke ich an meinen Handgelenken, dass dabei ziemliche Kräfte walten…

Die nachfolgenden Arbeitsschritte bestanden darin, mit immer feiner werdendem Schleifpapier und abschließend mit Stahlwolle die Oberfläche immer weiter zu verfeinern. Ich vermute, diesen Prozess könnte ich noch ewig weiterführen … so ist denn das Ergebnis dieses Wochenendes hier zu sehen:

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