Gedanken zum Zweck von Spielen und Spielzeug


Ich hatte das Glück, ein Exemplar eines wundervollen Buches von Freya Jaffke zu finden: Spielzeug von Eltern selbstgemacht

    (alte Ausgabe)

I was lucky to find a copy of a wonderful book: Toymaking With Children by Freya Jaffke

(older version)

Ursprünglich erschienen 1971 als Elterninitiative bietet es neben seinem eigentlichen Nutzen (einer Fülle von Anleitungen zur Herstellung von natürlichen, der Fantasie des Kindes Freiheit lassenden Spielzeugen) auch ein Vorwort, das es in seiner Kürze schafft, die realitätsbildende Funktion des kindlichen Spiels darzustellen:
Im Spiel kann das Kind in die Tat umsetzen, was es täglich erlebt (ausdrücken, wie es das, was ihm von außen, seiner Umwelt, entgegenkommt, erlebt hat) – und durch die Reaktion seiner Umwelt und Bezugspersonen (Eltern, Betreuer, Spielkameraden) erleben, ob dieses Verhalten sinnvoll und zielführend ist, oder ob es zu einer positiven oder negativen Reaktion führt.
Zum anderen werden Prozesse des täglichen Lebens im Modell geübt (Abspülen in der Puppenküche nach dem Essen, ohne dass Porzellan zerstört wird oder Müll heraustragen, ohne das die Mülltüte größer als das Kind ist) und als normale Verhaltensweise verinnerlicht (zumindest dann, wenn die Pubertät überwunden ist…)

Das ließ mich nachdenklich werden …

That kept me thinking …

Spielen im Kindesalter ist das Nachbilden der Realität, ein Modellierungsprozess. Das, was dem Kind im täglichen Leben begegnet, wird auf neuronaler Ebene verarbeitet, in Strukturen eingefügt, die das Weltbild und Werteschema des Kindes bilden und im Spiel auf Konsistenz, ‚alltagstauglichkeit’ überprüft.

Playing in early childhood is a process of remodeling reality. What is seen and sensed in daily life is processed on neuronal level, immersed in existing structures and checked for consistency with reality by acting on basis of these new patterns of behaviour during playtime.

Wenn im Spiel mit Freunden der Anruf beim Onkel Doktor, um eine Tüte Milch zu bestellen (*), für Verwirrung sorgt (“Aber der Doktor verkauft doch gar keine Milch, der macht doch gesund! Außerdem ist es eine Frau. Und ich bekomme immer ein Bonbon!”), wird die Funktion des Modells/Begriffes ‘Arzt angepasst: Aus ‘Onkel Doktor’ wird ein geschlechtsneutraler Begriff, der mit Hilfe und Gesundheit assoziiert wird. Und eventuell einer Belohnung in Form von Süßigkeiten. (* z.B: weil auf dem Rückweg vom letzten Arztbesuch noch eine Tüte Milch eingekauft wurde)

If, for example, the phone call to the doctor for ordering a bottle of milk(*) from him leads to the astounded reaction “But the doctor isn’t a he, it’s a woman. And she doesn’t sell milk, she makes me well again. And I get a candy afterwards!”, the term ‘doctor’ is remodeled : ‘Mr. doctor’ becomes term which is gender-neutral and associated with health. And maybe candy. (* because, for example , the way back from a physician was used for buying milk)

Wenn Spielzeug, welches eine realistische Nachbildung der Wirklichkeit darstellt, angeboten wird, sollte es die Möglichkeit bieten, das tägliche Erleben umzusetzen – indem es aus Gegenständen besteht, die das Kind kennt (tägliche, häusliche Umgebung) oder in deren Bildern es denkt und fühlt (Naturszenen, Feen und Zwerge als Metaphern für Naturprozesse).

If sort of realistic toys are offered, they should be a version of daily live – by consiting of things the child sees or senses every day (homekeeping) or of metaphers in which the child senses his surroundings (nature scenes, fairies and dwarfes as metaphers for natural processes – growth, seasons etc)

Was bedeutet das dann aber für das sich entwickelnde Weltbild eines Kindes, wenn sein Spielzeug nur aus Waffen, Autos und Kämpfer-Adaptionen besteht? Wenn sich aus dem Spiel und seinen Korrektivmöglichkeiten neben dem moralische Empfinden, dem Bild von ‘gut’ und ‘schön’ auch eine Vorstellung von Normalität entwickelt, wird dann nicht so der Grundstein gelegt für eine Weltsicht, die Feindseligkeit, Kampf und Ungerechtigkeit als Basis des Handelns aller Menschen verinnerlicht und nicht mehr hinterfragt?

What does this mean, if a child is presented mainly with toys of weapons and cars or adaption of fighters? If games and their corrective functions besides deriving a sense of morale, of what is perceived as ‘good’, ‘right’ and ‘beautiful’ also give way to a feeling of what is ‘normal’, what is a code of conduct in interactions with the own self and with others, isn’t this the basis for a world-view which internalized resentfulness, injustice and the need for fight as a basis for all actions?

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